Internationales Projektmanagement an der HM

Surya Diwald

Surya Diwald (Quelle: privat)

Anfang 2015 habe ich mein Masterstudium „Interkulturelle Kommunikation und Kooperation“ abgeschlossen und ich erinnere mich an eine sehr intensive, oft euphorische und manchmal recht irritierende Studienzeit. Besonders fasziniert mich auch im Nachhinein, wie das interkulturelle Lernen in tatsächlichen Begegnungen und Dynamiken in unserer Studierendengruppe und Kleingruppenarbeiten stattfand. Dabei habe ich nicht alle Erfahrungen positiv erlebt, aber alle als sehr lehrreich und handlungsleitend für weitere berufliche Kontexte im interkulturellen Bereich.


Ich war vom Masterstudium so begeistert, dass ich im Anschluss daran unbedingt an der Fakultät 13 der Hochschule München arbeiten wollte und ich freue mich sehr, dass ich nun hier die Referentin für den neuen Studiengang „Internationales Projektmanagement“ bin und mich als solche daran beteiligen kann, Studierende in ihrem interkulturellen Lernprozess zu begleiten.


Während meines Erststudiums „Soziales Management“ wurde gelehrt, den Menschen immer als Individuum mit seiner ganz persönlichen Geschichte und hinsichtlich körperlicher und psychischer Eigenschaften ganz individuell und in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation zu sehen. Im interkulturellen Kontext habe ich jedoch festgestellt, dass sogar eine Berufsgruppe, die gelernt hat, Menschen differenziert und vielschichtig wahrzunehmen, dazu tendiert, in der Arbeit mit Migrantinnen und Migranten bzgl. Erziehungsstilen und sonstigem Verhalten und Einstellungen kulturelle Zuschreibungen zu machen. Das kam mir absurd -weil widersprüchlich- vor. Insbesondere da mir, je nachdem wie es gerade zur Situation gepasst hat, deutsche, indische oder türkischaffine Eigenschaften zugesprochen wurden, oder ich gar gebeten wurde, mit bestimmten Menschen zu verhandeln, weil ich diese wegen der gemeinsamen kulturellen Wurzeln besser verstehen würde. Ähnliches geschieht auch jetzt manchmal im Rahmen von EU-Projekten mit Bulgarien und Rumänien, die ich im Rahmen meiner zweiten Arbeitsstelle, als Mitarbeiterin der Stadt München in der Abteilung „Interkulturelle Arbeit und Migration“ durchführe. Bei diesen hat die Annahme von Beteiligten, ich sei Bulgarin, schon oft zu Vorteilen für die Projektzusammenarbeit geführt. Aufgrund des Studiums der interkulturellen Kommunikation kann ich mit solchen Situationen und „Vorurteilen“ nun wesentlich besser umgehen.


Besonders gefallen hat mir während des Masterstudiums, dass das, was ich während meiner Berufslaufbahn auf einer Kopfebene verstanden hatte, sich emotional verankert hat. So würde ich sagen, dass sich auf diese Weise ein Teil meiner Weltsicht, mein Verständnis von meiner kulturellen Identität und von meiner Person auf diesem Planet verändert haben - und zwar nicht nur in meinen Gedanken, sondern auch in meinen Gefühlen. Mir hat das Studium sehr gut gefallen, wobei einige Prozesse auch schmerzlich waren, da sie meine eigene Identität und mein Bild von mir selbst angesprochen haben.


Insgesamt würde ich das Studium allen empfehlen, die bereit sind, eine neue Sicht auf die Welt, sich selbst und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zuzulassen. Ich würde sagen, dass ich jetzt in Teilbereichen jemand ganz Anderes bin als vor dem Studium.